Teil 1 Herz und Kreislauf:
Mit guten Schuhen aerob laufen
Das böse Wort mancher mehr oder weniger wohlwollender Kritiker des Reitsports, dass hier ja sehr bezeichnend vom Pferdesport die Rede ist, weil den Sport eben die Pferde machen und die Reiter nur draufsitzen, hat ja leider manches für sich. Dass Reiterinnen nach Luft ringen, wenn sie ihr Pferd von der Koppel holen, ist sicher problematisch. Nicht im Alltag des Reitens, wenn alles gut geht, aber in jeder Konfliktsituation, wenn blitzschnelles Reagieren und souveräner Handlungsspielraum gefragt ist, wenn die Pferdebewegungen mal heftiger werden - im Galopp, beim Springen oder eben im Konfliktfall.
Unbedingt ein wenig Laufen zusätzlich zum Reiten, aber ebenso unbedingt mit Schuhen, die die Gelenke schonen. Gut federnde Sohlen und – da wir ja auch ohne Pferd am liebsten auf Wald- und Wiesenwege gehen – eine hohe Stütze für die Sprunggelenke sollten gegeben sein. Foto: Archiv
Das Schöne daran: Auch gutes Reiten, mit viel Luft und Kraft und Reaktionsschnelligkeit, braucht nicht annähernd so viel Basistraining und körperliche Fähigkeiten an Kraft und Ausdauer, wie andere Sportarten.
In unserer Serie über diese Dinge wollen wir die wichtigsten Tipps aus Erfahrung und von Experten vorstellen, wie man sich für die jeweilige Reitsportart, vom gemütlichen Ausritt bis hin zum Querfeldein und zum Rennen, eine gute sportliche Grundlage schaffen kann.
Basis für alles, deshalb hier Gegenstand gleich im ersten Teil der Serie, ist eine gute Ausdauer, die eben die Sicherheit für die überraschende Situation gibt.
Und man kann es drehen wie man will, auch Kritiker des „Jogging-Wahns“ sein, aber mit etwas Laufen fängt alles an. Herz und Kreislauf kommen in Schwung, sehr gut auch der Stoffwechsel. Gut ist´s auch gegen das bisschen Übergewicht, das doch viele von uns und die Pferde mitschleppen. Tatsache ist, dass es auch gegen das verbreitete „Zivilisationskopfweh“ hilft. Und tatsächlich verbessert sich auch der Lebensbereich der Erotik.
Wie viel ist gut?
Nun, da haben wir Reiterinnen es leichter als andere Sportarten, wie etwa Fußball, Leichtathletik, Schwimmen, Tennis, Squash: Wenn man zweimal pro Woche gut eine halbe Stunde dahinlaufen kann, reicht es schon für den Normalgebrauch. Erst wer intensiver Springreiten will oder gar Querfeldein, der müsste mehr machen. Aber die Grundlage für gutes und sicheres Reiten sind die beiden halben Stunden pro Woche. Und die können, vor allem am Anfang, aus Intervalltraining bestehen, etwa immer drei Minuten Laufen, drei Schritt gehen; nach 3 bis 4 Wochen dann 5 zu 3 und so weiter. Alles soll sich im „aeroben Bereich“ abspielen, wie die Mediziner sagen. Also nicht sehr schwer fallen, kein Herzklopfen bis in den Hals, kein Keuchen bei weit geöffnetem Mund. Atmung möglichst durch die Nase. Optimal beobachten lässt sich das wohl nur mit einer Pulsuhr. Nur um die 130 bis 145 Puls sollte erreicht werden, geht der Wert darüber hinaus, sollte man Schritt gehen oder gar Pausieren. Allerdings wird das schon nach wenigen Monaten viel besser, dann kann man die 30 Minuten auf Feld- und Waldwegen auch gut durchlaufen. Und nach einigen Monaten bekommt man auch Tempo und Puls nach Gefühl in den Griff.
Entscheidend wichtig: Spätestens nach ersten Übungen unbedingt gute Schuhe verwenden. Sonst schadet man den Gelenken mehr, als das Laufen selbst Gutes bringt. Doch ganz ohne Schmerzen in den Beinen und – erstaunlicher Weise – vor allem in den Hüften geht es am Anfang nicht. Selbst nach langen Jahren des Freizeitreitens sind wir so untrainiert, dass nicht mal dieses Basistraining locker geleistet werden kann. Da muss man sich durchbeißen. Also eher nicht damit beginnen, wenn in den nächsten rund 10 Wochen wichtige Sporttermine, etwa Turniere anstehen.