*** Dressur Jugend: Kandaren in Kinderhänden? ***
Kottingbrunn/Niederösterreich – Im großen Pferdeland Unter der Enns haben ja erfreulicherweise die Damen Sylvia Krausgruber und Ursula Mayer-Rabl die Verantwortung für die Dressur von Ernst Bachinger übernommen. Wie besonders die Jugendarbeit nun angelegt wird, war mit Spannung zu erwarten. Ein Kurs mit wohl auch gewissem Sichtungscharakter ist für die Jugend auf der Reitanlage der Familie Gosch in Kottingbrunn angeboten worden, Kursleiterin war die sympathische Jugendtrainerin Birgit Langer aus Bayern, geprüfte Reitlehrerin der deutschen FN und Turnierrichterin. Tipps und Anleitungen für „eine effektive und sinnvolle Winterarbeit“ waren die fachlich spannende und an diesem ersten wirklich winterlich kalten Wochenende im November leider nur zu angebrachte Themenstellung für die jungen Leute.

Das Trainingszentrum der Dressureiter in Kottingbrunn hat der
niederösterreichischen Jugend einen nüchternen, sportbezogenen Rahmen
gegeben, die Winterarbeit einzuleiten. Im Bild die Ponyreiterin
Mariella Mogeritsch auf ihrer Nessie.Beeindruckend war wieder die gewohnt gute Organisation durch die bewährten und langjährig erfahrenen Veranstalter: Besonders hervorzuheben, weil so oft nicht selbstverständlich, der „Gute Ton“ in der Halle, was nichts mit den gleichbleibend freundlich jugendgerechten Hinweisen Langers zu tun hatte, sondern technisch gemeint ist: Nach Feineinstellung der Lautsprecherboxen war auch auf der Tribüne, wo Gäste, Begleiter und Eltern zitternd, aber ungebrochen interessiert zugehört haben, gut zu verstehen, was die Trainerin mitzugeben hatte.
15 Plätze zur – finanziell enorm hoch geförderten - Teilnahme waren angeboten und unter Einbeziehung von nur noch kurze Zeit „Jugendlichen“ und auch von erstmals Interessierten ausgebucht. Bis auf die erkrankte Staatsmeisterin Jennifer Doppler konnten auch alle anreisen. Geboten wurden den Teilnehmerinnen und Teilnehmern an den beiden Tagen jeweils eine halbe Stunde Einzelunterricht nach selbständigem Abreiten. Die für den Samstag vorgesehene gemeinsame Besprechung wurde aufgrund der für einige in eisiger Kälte schrecklich langen Wartezeit abgesagt, die Tipps und Schlussfolgerungen jeweils für jeden persönlich zusammengefasst. Viel Wert wurde auf gefestigten Sitz oder eben die Festigung des unabhängigen Sitzes gelegt, hin zum schwungvollen, freieren Gang geraten und auch bezüglich der Ausrüstung beraten.
Was nun die „effektive und sinnvolle Winterarbeit“ betraf, schien ein Missverständnis zu bestehen: Wie erhofft Allgemeingültiges war eben auch für den interessierten Zuschauer nicht so sehr mitzunehmen, im Sinn des weiteren Aufbaus der jungen Teilnehmer und der Pferde galt die Konzentration jeder und jedem Einzelnen und dem, was sie und er in den Wintermonaten ganz persönlich und individuell vertiefen können, um in eine spannende Saison 2009 zu starten. Tipps wie längeres, ruhiges Abreiten an sehr kalten Tagen zur langsamen Erwärmung der Extremitäten oder eben bei eisiger Kälte der bewusste Verzicht auf Training zur Pferdeschonung standen nicht im Mittelpunkt. Es ging also um traditionellen Reitunterricht, - noch? – nicht um das bewusste Management, das Verantwortung-für-sein-Pferd-übernehmen der „Denkenden Reiter“.
Leider erschreckend: Bilder beim Abreiten von jugendlich-grantigem, einseitigem Zerren an der Kandare. Es sollte wohl noch schnell „gebogen“ werden, mit chronisch hochgezogenem Absatz und bohrenden Sporen, weil erhebliche Missverständnisse über den langen Bügel mitgebracht wurden. Hier wirft sich die Frage auf, ob grundsätzlich Kandaren in Kinderhände gehören, ob hiergegen nicht eingeschritten werden sollte.
Was in der nüchtern-leistungsorientierten Atmosphäre und vielleicht im Zug der eiligen Heimreise am Sonntag nicht zu erleben war, sind spielerische Elemente, wie sie in anderen Sportarten erfolgreich zur Jugendarbeit gehören; oder gar die Einbindung von Musik, wie das in Deutschland jetzt schon früh im Reiterleben begonnen wird. Dazu gibt es von Krausgruber aber bereits Überlegungen, etwa Initiativen für den Teamgeist der jungen Leute in Angriff zu nehmen oder auch bei der Fortführung der Bemühungen im neuen Jahr modernes Videotraining zu ermöglichen. Natürlich kann nicht alles auf einmal vorangetrieben werden, auf einem offenbar sich aber vielversprechend entwickelnden Weg.
Martin Walter

Vorbildlich wieder die Unterbringung der kleinen und großen Pferde in den Turnierboxen des bewährten Veranstalters, mit gutem Kontakt zu den Nachbarn.
Fotos: Anton Mogeritsch/M. Walter