„Die Welt schaut besser
aus vom Rücken eines Pferdes!", singt Mary-Ann Kennedy in den
„NHS-Parelli-Songs"; „the worlds looks better from the back of a horse!" Das
stimmt wirklich so, vor allem nach einem grauslichem Arbeitstag, oder wenn man
mal lieber abseits der Leute sein möchte. Es ist wohl einer der wesentlichen
Gründe, warum wir Reiterinnen sind.
Gerade in Österreich nicht zutreffend ist es, wenn wir aber vom Rücken
unserer Pferde in die Medienwelt schauen. Da schaut nichts gut aus, da ist ein
Verbandsmitteilungsblatt, das brav raportiert, was die
geriatrisch-starrsinnigen oder in die eigene Tasche wirtschaftenden Funktionäre
sagen und hören wollen. Was den Sport vom Springen bis zu den Rennen, im Busch
und am Viereck aber wirklich ausmacht, was man vom internationalen Geschehen
gern hören würde, das bieten nicht mal die Sportseiten der Tageszeitungen oder
der ORF. Gerade das Staatsfernsehen ist geradezu lächerlich in seiner praktisch
nicht vorhandenen Pferdeberichterstattung, obwohl wir heute nicht 10 000
Interessierte sind wie noch Anfang der siebziger Jahre, sondern an die 200 000
österreichweit.
Ein Mittelding sind die großen deutschen Zeitschriften Reiterrevue und St.
Georg, englisch Horse&Hound, da bekommt man schon viel Sport berichtet -
nur leider in entsetzlich piefkenesischem Hurra-Patriotismus, als würden im
Urlaub zehn besoffene Besserwisser am Nebentisch grölen -, daneben aber auch
ganz gute Beratung. Und was das rein Fachliche betrifft, bieten natürlich
allgemein orientierte Zeitschriften, vom wirklich sympathischen Cavallo über
Pegasus, auch Wendy und „Mein Pferd", Pferdemarkt und PferdeSport bis hin zu
Piaffe, das unsäglich teure Equus und die Westernmagazine guten Stoff, tolle
Tipps auch zu den immer breiter interessanten Pferdebereichen „frei von
Wettkampf".
Nur was bei uns in Österreich vorgeht oder vorgehen sollte, das bleibt in
den aus Deutschland erscheinenden Zeitschriften natürlich übrig. Probleme
werden nicht andiskutiert, Missstände bis Gauner-Machenschaften nicht hinterfragt
- oft aus journalistischer Unfähigkeit, öfter noch aus Absicht, um nicht
anzuecken, sich nicht die vermeintlich vorhandene Gesprächsbasis zu
„ruinieren".
Endlich ohne Anpöbelungen Reiten im Wald ist so ein Bereich. Auch die
Frage, nicht einmal mehr ausgenommen werden für ein paar Meter
Forststrassenbenützung.
Oder wie wenig an pferdegerechter und verlässlicher Betreuung man für sein
gutes Geld in den Mietstallungen bekommt, wenn man nicht Tag für Tag selbst
hinterher ist, ist ein anderer, sehr drückender Problembereich.
Was mit den Miet- und Schulpferden und oft auf Turnier geschieht, wo man
sich nur mit Grausen abwenden kann, ein dritter.
Und wenn mit 10 Millionen Euro eine weitere sinnlose Fußballakademie für
kaum 200 Leute aus dem Boden gestampft wird, während der Breitensport Reiten
praktisch ohne Betreuung durch die Öffentliche Hand und die Sportförderung
bleibt, dann stimmt auch etwas nicht.
Warum also noch eine Pferdezeitung? Damit diese Lücken geschlossen werden,
damit auch den rot-weiß-roten Reiterinnen eine unabhängige Plattform zur
Verfügung steht; in die eigene Tasche wirtschaftende Verbandsfunktionäre zur
Rechenschaft gezogen werden; damit das Ansehen in der breiten Öffentlichkeit
schädigende Turnierprügler aus dem Verkehr gezogen werden; die Pferde eine
Stimme bekommen - und dann vor allem auch die wunderbaren Seiten des Lebens mit
Pferden von und mit Gleichgesinnten Darstellung finden. Damit auch Neulinge,
die spüren und suchen, dass da eine tolle Seite des Lebens sein muss - der
Ausgleich zur gnadenlosen Hektik und Unmenschlichkeit des modernen Alltags -,
wirklich auf die richtige Seite finden!
Eure
IHEP-Redaktionsmannschaft
PS: An dieser Stelle wird
nun bis zum Start der ersten Ausgabe Anfang April jede Woche ein Editorial
erscheinen, das die Schwerpunkte und Ansätze des neuen Projektes hier auf IHEP
vorstellt. „SETI", „alf" und „Euro" werden die nächsten Themen sein. Unsere
Bitte: Be- und womöglich verurteilt die neue Zeitung erst, wenn Ihr Euch
wirklich Konzept und die erste Ausgabe angesehen habt - mehr als 3000
Servergäste auf IHEP wollten in der Umfrage die Zeitung, aber geben wir doch
ALLE der Sache eine Chance!