Das Ansehen der Reiter in der breiten Öffentlichkeit soll
laut einer teuren Studie also besser sein als noch vor Jahren. So weit, so ganz
gut. Als Sportler werden wir nun wahrgenommen, Reiten als Sport und sinnvolle
Freizeitbeschäftigung so weit anerkannt. Die Dimension des Lebens mit den
Tieren, die wird nicht angesprochen.
Doch immerhin, das böse, aber oft nur zu berechtigte Wort
vom „Pferdesport", weil den Sport die Pferde machen und die Reiter sich mehr
dem Saufen widmen, scheint zumindest vordergründig überwunden. Die vielen
ehrlich engagierten Reiterinnen waren wohl die besten Botschafter, finden im
Ort und in ihrer persönlichen Umgebung Anerkennung.
Doch das Eis ist dünn. Kaum kommt es wie im Zug der letzten
Olympischen Spiele in Hongkong zu den x-ten Tierquälerskandalen, sind wir in
den Tageszeitungen und am Stammtisch wieder unten durch. Solche Leute machen in
Minuten der Skandalisierung kaputt, was sich die ehrlich engagierten Pferdeleute
durch Jahre aufbauen.
Viele fragen dann scheinheilig - womöglich beim
Sonntagsschnitzel aus Massentierhaltung vollmundig debattierend -, ob denn
Reiten überhaupt noch zeitgemäß ist. Und auch der durchaus ehrliche Tierschutz
fühlt sich auf den Plan gerufen. Überhaupt dann, wenn wieder ein Skandal wie
die finanziell und entmenscht zusammenbrechende Stallhaltung im niederösterreichschen
Wolfsgraben zum Super-GAU der Tierquälerei wird und endlich die feigen Behörden
zum Handeln zwingt, die Boulevardmedien aufscheucht.
Das Eingreifen der Tierschützer in solchen Fällen ist mehr
als berechtigt. Wir selbst müssen uns fragen, warum da nicht schon aus den
Reihen der Reiterinnen selbst vorgegangen wurde. Wer hat da aller monatelang
schon davon gewusst? Was muss eigentlich passieren, bis Pferdebesitzer aus der
Nachbarbox oder zu Besuch oder von ratlosen Anfängern im Gespräch informiert,
selbst eingreifen? Das fragt man sich wirklich auch selbst angesichts mancher
Zustände!
Das Tierschutzgesetz zum Beispiel, das ist gar keine
schlechte Grundlage. Es wäre geradezu geeignet als Verbündeter für unsere
Interessen. Denn endlich modernisierte Boxen, wirklich mit Luft und Licht, der
Zwang auch auf den ältesten Stallbetreiber, Koppelgang zur Verfügung zu stellen
statt diese Kosten einzusparen - all das wäre ganz in unserem Sinn. Aber es ist
von Anfang an zum zahnlosen Papiertiger gemacht worden, ganz absichtlich.
Im neuen Magazin suchen wir daher das Gespräch mit dem
Tierschutz. Wir sind bereit, uns den Spiegel vorhalten zu lassen. Hören wir
hin, damit auch die anderen keine neue Munition gegen uns finden, denen wir
Reiter ein Dorn im Auge sind und die dann keine Gelegenheit auslassen - und leider
reichlich Gelegenheit finden - uns in Frage zu stellen, Öffentlich bloß zu
stellen. Hören wir hin, sortieren wir das wirklich Überzogene aus - und ändern
wir all das, mit Fachwissen und Zivilcourage, was wirklich geändert gehört.
Ändern wir es selbst, rechtzeitig und mutig, suchen wir Notfalls die
Unterstützung der Behörden, zwingen wir die im Tierschutz maßlos feigen
Behörden zum Handeln, wenn es unumgänglich wird. Aber bevor jemand von Außen
eingreift und dann mit Recht auf uns zeigt als Mitschuldige.
So werden also ernstzunehmende Vertreter des engagierten
Tierschutzes hier Gelegenheit bekommen, zu uns zu sprechen. Schon in der
Vorbreitung dieses Schwerpunktes„alf", dieser Kommentarkolummne in der
journalistischen Fachsprache, war ganz erstaunlich, dass unter den radikalen
Tierschützern einige doch recht gut Bescheid wissen, was rund um die Pferde los
ist, was auch fein und wunderschön ist. Das könnte eine sinnvolle
Gesprächsbasis sein.