Packt man ein doch recht großes Projekt wie die Herausgabe
einer Sportzeitung an, noch dazu nach den modernsten Kriterien im Netz, so
sollte natürlich in der Vorbereitung alles passen, alles nötige besprochen
sein, die Leserinnen auch absehen können, was geboten wird.
Im 21. Jahrhundert gehört dazu auf jeden Fall, „Leserinnen
und Leser" korrekt anzusprechen, nicht nach alten und schlechten Gewohnheiten.
Damit stehen wir vor der sperrigen Frage, wie das mit dem LeserInnen, er/sie
und so weiter zu halten ist. Heute haben die Leserinnen einfach Anspruch
darauf, nicht als „Reiter" angesprochen zu werden. Was manchem immer noch als
überzogen erscheint, ist ein ehrliches, gesellschaftlich wichtiges, völlig zu
respektierendes Anliegen. Andererseits sind alle die Krampflösungen mit
Großbuchstaben mitten im Wort oder auch Schrägstrich-Wortkombinationen nahezu
unleserlich, stören immer noch den Lesefluss. Und treibt es jemand auf die
Spitze - grundsätzlich völlig berechtigt - dann entstehen Satzungetüme wie „der
Reiter/die Reiterin setzt sich tief in den Sattel, er/sie atmet tief ein, noch
mal aus, nimmt seine/ihre Schenkel etwas zurück und ...". Das ist unerträglich;
bekommt man geradezu einen Knopf im Hirn.
Was tun? Im neuen Magazin wollen wir den Sprung schaffen in
wirkliche Modernität, und haben folgende Regelung gewählt, nach demokratischem
Prinzip sozusagen,: Die „Reiter" österreichweit sind zu wohl 90 Prozent
natürlich Reiterinnen. Da ist es doch einfach eine Frage eindeutiger
Mehrheiten, dass eigentlich durchgängig von Reiterinnen die Rede zu sein hat. Wie
es jahrhundertelang bisher üblich war, männliche Anreden zu verwenden -
vielleicht seinerzeit ansatzweise rein statistisch grammatikalisch berechtigt,
weil in vielen Fragen des öffentlichen Lebens ja viel zu lange alles an Männern
ausgerichtet war - wollen wir uns einfach nach der Mehrheit der Leserschaft und
der „Besucher" auf IHEP richten und werden von Reiterinnen sprechen. Und meinen
damit, wie es an sich viele grundsätzlich korrekte Autoren mit schlechtem Gewissen
auch heute noch tun, die anderen, also die Reiter, damit mit. In rund 9 von 10
Fällen wollen wir das so machen, hin und wieder wird noch vom Reiter oder
Pferdebesitzer die Rede sein. Dass nun dies von manchen Lesern wiederum als
sperrig und ungewohnt empfunden wird ..... zeigt nur die Notwendigkeit! Hat schon
zu lustigen Szenen geführt.
So machen wir´s also - circa 9-mal Reiterin, einmal Reiter -,
außer, es geht um Dinge, wo wirklich wieder mehrheitlich die Reiter
anzusprechen sind. Kürzlich wurde ein Text verfasst mit Bezug auf den oft
exorbitanten und sicher restlos unsportlichen Alkoholkonsum. Im Stüberl und am
Turnierbuffet. Da ist dann von Reitern die Rede, und das ganz absichtlich. Denn
vieles an den nicht so schönen Seiten rund um Österreichs Pferde haben mit
großer Mehrheit Männer zu verantworten. Hätten hierzu Frauen das Sagen, gäbe es
viele hässliche Vorfälle und Probleme nicht.
Und die zweite, ähnlich grundsätzliche Problematik vorneweg,
bevor es jetzt mit April dann wirklich losgeht: Vielleicht hat sich manche
schon daran gestoßen, dass wir die neue Rechtschreibung nicht gerade erfunden
haben. Auch das ist Absicht. Wir werden diesen Unsinn, nach dem Vorbild einiger
großer deutscher Verlage, nicht mitmachen. Und sogar noch einen Schritt weiter
gehen. Auch die alte Rechtschreibung wird nicht zwingend berücksichtigt. IHEP
als Homepage und Servercommunity ist ein Medium des 21. Jahrhunderts. Hier wird
schnell geschrieben, immer ist gut verständlich, wovon die Rede ist. Es geht um
den Gedankenaustausch, nicht um Paragrafenreiterei graugesichtiger Oberlehrer.
Die Bindestrich-Wörter, die Deutsch eigentlich nicht kennt, sind enorm
übersichtlich zum Beispiel. Wir bringen die Beiträge also in der Sprache des
Forums, möglichst übersichtlich gegliedert, mit vielen Bildern, gut leserlich
im Sinn des modernen, schnellen Alltags, in dem nur so wenig zeit bleibt für
die Pferde. Deutsch ist an sich eine wunderbare, ausdrucksstarke,
vielschichtige Sprache, in der sich gerade auch komplexe Gedanken und Gefühle sehr
gut weitergeben lassen. Erfreulicherweise ist es aber auch noch eine lebende
Sprache, die sich eben weiterentwickelt. Das ist nichts Schlechtes, und es kann
bewusst über die Verdorrtheit altbackener Grammatikstuben hinaus gelebt werden.
All das wäre ja auch der eigentliche Auftrag an die
Reformkommission für die neue Rechtsschreibung gewesen. Bis hin zur Abschaffung
der Großschreibung - die gar nicht so sehr der Hauptgegner ist, wie gerade das
Leben in den Foren zeigt. Dass etwas ganz anderes, völlig Verkrampftes
herauskommt, lässt man ein Rudel Hofräte einen wichtigen Lebensbereich „reformieren",
hätten die Verantwortlichen von Haus aus wissen müssen. Dann zu feig sein, alle
zurück an den Start zu beordern nachdem die Sache schief gegangen ist, und
lieber jahrelang Schülerinnen mit zwei gänzlich unübersichtlichen Regelungen zu
quälen, den Menschen Lebensjahre verloren gehen lassen weil unsinnige
Grammatikklassen wiederholt werden müssen, war leider typisch für die aktuelle
österreichische Spitzenpolitik.
Man muss aber nicht jeden Unsinn mitmachen.