Offen gesagt!

Vorgegaukelt

In vieler Hinsicht stecken Österreichs Reiterinnen in der Krise. Recht auf Ausreiten, seltsame Funktionärscharaktere, ein Spitzensport, der – zurecht und von den Medien entsprechend ignoriert; und darüber muss man noch froh sein – kein Aushängeschild ist. Und entsprechend wenig neue Pferdefreundinnen begeistern kann.


Aber ganz besonders eine Finanz- und Wirtschaftskrise, die es vor allem den Pferdebesitzerinnen mit nicht so dicker Brieftasche oder gar im Fall von Arbeitslosigkeit schwer macht, die anvertrauten Leute auf vier Beinen vernünftig erhalten zu können. Eine Flucht in die Billigställe ist zu beobachten, mit all den oft erst nach Jahren erkennbaren und dann irreparablen gesundheitlichen Schäden, die da drohen. Auswege müssen gefunden werden. Ohne das Wort von der „Krise als Chance“ durchs Dorf treiben zu wollen, fragt sich jetzt, was man tun kann, wie womöglich aus dem Notwendigen dann sogar was langfristig Gutes werden kann.
Eine sehr gute Chance liegt im Stichwort „Ehrenamt“. Was die Verbände und Vereine betrifft, so läge eine gute Lösung darin, dass eben viele, eigentlich alle bereit wären, auch einige Zeit Verantwortung zu übernehmen. Klar graust uns allen vor den „Vereins-Meiern“. Aber gerade darin liegt das Problem. Die problematischen Charaktere haben nur die Chance, sich in Ämtern festzusetzen, wenn keine attraktiven und seriösen Leute zur Wahl stehen, bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Natürlich hat man viel zu tun, und Zeit fürs Pferd soll auch noch sein. Aber wenn man von Haus aus sagt, man nimmt sich ein oder zwei Jahre Zeit und dann muss wieder wer anderer ran, dann gibt’s auch keine Enttäuschungen.

Aber noch viel dringender sollte eine „Renaissance“ der Vereine jetzt Raum greifen. Die ganzen gewerblichen Ställe oder auch die Tarn-Landwirtschaften mit den verzweifelten Schafen und Gänsen dienen ja letztlich nur vielen Zivilversagern als Einkommensquelle. Da sind dann Abgaben zu bezahlen für Leute, die zwei Stunden pro Woche schimmlige Futterlieferungen organisieren und ansonsten im Stüberl Maulaffen feil halten; etwa Sozialversicherung und Steuern werden von den Einstellgebühren mitgeschleppt, die der Gesetzgeber für Sporteinrichtungen gar nicht vorgesehen hat. An sich ist ganz ausgezeichnet, was man einem Pferd um rund 280 Euro im Monat alles bieten kann, wenn nicht vom Urlaub bis zur Sozialversicherung von drei Stallbesitzern auch noch daraus bestritten werden muss. Eine Gründerwelle an kleinen oder auch größeren Reitvereinen sollte die Schlussfolgerung aus dieser Krise sein. Und es sollte endlich Schluss sein mit dem nicht wirklich witzigen Quatsch, dass nur „Vereinsmeier“ in Vorständen Verantwortung übernehmen. Statt Seminaren, wie man aus einigen armseligen Schulpferden und wenig informierten Erstpferdebesitzerinnen auch noch den letzten Cent herausholen kann, sollte es Schulungen geben, wie sich ein Verein bilden kann, wie er an Koppeln und Stall kommt, wie man Koppeln pflegt, worauf man achten muss in rechtlicher und vereinsrechtlicher Hinsicht, wie man aber auch persönliches Risiko minimiert – denn Vereinsvorstände haften ja auch. Auch in die Frage von Mitarbeiterführung und Mitarbeiterverantwortung muss man sich einarbeiten. Es geht nicht an, dass womöglich schwarz beschäftigte Hilfspfleger nach Verletzung durch ein Pferd vor den Stall auf die Strasse gelegt werden, damit man der Rettung was von „Verkehrsunfall“ vorgaukeln kann.


Kürzlich wurde uns belegt, dass in namhaften Ställen so gerechnet wird, dass 50 Euro pro Monat reichen müssen für Heu, Einstreu und Krippenfutter. Alles andere geht in die Overheadkosten. Mit gutem Heu, wenig staubender Einstreu und nährwertvollem Krippenfutter ist derzeit aber kaum ein Pferd unter 90 Euro zu erhalten. Das allein zeigt schon die Relationen, um die es geht. Hätten wir den Mut und die Bereitschaft, uns einige Stunden pro Woche zu engagieren, könnten wir den Wert unserer Einstellgebühr verdoppeln oder die Kosten halbieren. Da gäb´s dann zumindest im Stall keine Krise mehr!

Veröffentlicht Montag, 2. Mai 2011 09:28 von IHEP-Redaktion
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