Vitamine
Die entscheidende Bedeutung der Vitaminversorgung liegt in den Eigenschaften dieser Stoffe. Vitamine sind organische Verbindungen, die zur Aufrechterhaltung der Körperfunktionen unumgänglich benötigt werden. Dabei ist der völlige Mangel an Vitaminen nur eine theoretische Überlegung. Unterversorgungen sind aber bei der Pferdehaltung sehr häufig zu beobachten. Bei der Zufuhr sehr hoher Vitaminmengen kommt es ebenfalls zu krankhaften Erscheinungen.
In zwei Gruppen kann man die biologisch notwendigen Vitamine einteilen: in fettlösliche (Vitamine A,D,E,K) und in die wasserlöslichen (Vitamine des B-Komplexes und Vitamin C).
Vitamin A wird auch als Wachstumsvitamin bezeichnet. Es kommt nur im Tierkörper und daraus hergestellten Produkten vor: zum Beispiel in Vollmilch und in Lebertranöl. In pflanzlichen Futtermitteln gibt es nicht direkt Vitamin A, sondern die im Darm verwertbare Vorstufe des ß-Karotin. Bei Pferden liegt die Verwertbarkeit von ß-Karotin aber nur bei 15-25%.
Diesem Vitamin kommt eine wichtige Aufgabe beim Schutz der besonders empfindlichen Schleimhäute zu. Ein Mangel führt zu erhöhter Infektionsanfälligkeit der Atemwege, des Magen- und Darmtraktes und der Geschlechtsorgane. Bei wachsenden Tieren bedingt der Mangel Wachstumsstörungen, bei Sportpferden Leistungsminderung.
Wird jedoch zu viel Vitamin A zugeführt, besteht die Gefahr erhöhter Brüchigkeit der Knochen.
Grundsätzlich wichtiger Lieferant von ß-Karotin ist Heu, in dem der Gehalt aber mit der Lagerungsdauer rasch abnimmt, ab Weihnachten praktisch auf den Nullwert sinkt. Karotten hingegen behalten ihren Wert auch über längere Lagerung.
Vitamin D hat seine Bedeutung vor allem als Regulator des äußerst wichtigen Ca:P-Haushaltes. Wiederum sind Wachstumsstörungen, aber auch Knochenbrüchigkeit und Gelenksdeformationen die Folge von Unterversorgung, während bei Überschuss eher mit Verkalkungen reagiert wird.
Selbst bei reichlicher Heufütterung wird bei Stallhaltung der Bedarf höchstens zur Hälfte abgedeckt.
Ebenfalls etwa die Hälfte des Tagesbedarfes bei Stallhaltung muss bei Vitamin E ergänzt werden. Dieser Wirkstoff entfaltet seine Wirkung vor allem im Zellstoffwechsel, vor allem im Bereich der Zellatmung, und er unterstützt die Entwicklung der Keimdrüsen, reguliert den Hormonstoffwechsel.
Der Mangel an Vitamin E führt zu Muskeldegeneration, Bewegungsstörungen und auch Leberschäden.
Reich an Vitamin E sind vor allem Grünfutter, aber auch Grünmehle, Getreidekeime und Pflanzenöle. Vor allem der Trick mit Pflanzenöl ist sehr bemerkenswert.
Keine Zufuhr über das Futter notwendig ist bei Vitamin K, weshalb wir uns damit auch nicht belasten wollen.
Ähnlich gelagert ist die Sache auch bei den wasserlöslichen Vitaminen.
Zu dieser Gruppe gehören die Vitamine des Komplexes B und Vitamin C.
Besonders hinzuweisen ist hier auf die Bedeutung der Vitamine B für die Nerventätigkeit und bei der Verwertung von Kohlenhydraten aus dem Futter. Gerade bei intensiver Fütterung der Sportpferde kann daher ein erhöhter Bedarf an Vitamin B auftreten.
Typische Mangelerscheinungen sind Lähmungen, Krämpfe, Appetitlosigkeit und ungenügende Energieversorgung.
Auf zwei der Untergruppen dieses Vitaminkomplexes ist noch gesondert hinzuweisen.
Einerseits ist das Vitamin B6 , das eine zentrale Stellung im so wichtigen Eiweißstoffwechsel einnimmt. Und andererseits ist das Vitamin H, heute schon besser bekannt unter der Bezeichnung Biotin. Eine verstärkte Fütterung von Biotin ermöglicht es, eine gezielte Verbesserung der Hufe durchzuführen - empfehlenswert ist das vor allem bei schlechtem Hufwachstum, Rissen in der Hufwand oder gar Hufentzündungen.
Vitamin C kommt nur in wenigen pferdetypischen Futtermitteln vor, zum Beispiel in Karotten, in Kartoffeln und in Magermilchpulver.
Wichtig ist Vitamin C für alle Oxidations- und Reduktionsvorgänge im Organismus und daher für Sportbelange von besonderer Bedeutung.
Wie alle landwirtschaftlichen Nutztiere können Pferde aber dieses Vitamin selbst im Körper herstellen. Es soll daher nur bei besonderer Infektionsgefahr oder erhöhter Stressbelastung über das Futter vermehrt angeboten werden.
Mineralstoffe
Für die Mineralstoffe gilt ganz besonders: Wer hier spart, der spart schon für den Tierarzt, denn Mineralstoffe sind unerlässlich notwendig für den Stoffwechsel. Alle Körperfunktionen können nur bei ausreichender Versorgung mit diesen Stoffen aufrechterhalten werden.
In diesem Bereich unterscheidet man zwischen den in größeren Mengen erforderlichen Mengenelementen und den Spurenelementen, wobei die erforderliche Menge kein Gradmesser für die jeweilige Bedeutung im Körper ist.
Zu den Mengenelementen zählen Kalzium (Ca), Magnesium (Mg), Natrium (Na), Kalium (K), Phosphor (P), Chlor (Cl) und Schwefel (S).
Zu den lebensnotwendigen Spurenelementen gehören Eisen (Fe), Zink (Zn), Selen (Se), Fluor (F) und Jod (J).
Für den Sport wesentlich ist die Erfahrung, dass die Mineralstoffversorgung bei Stallhaltung vor allem Mängel bei Kalzium, Magnesium und Natrium mit sich bringt. Dabei können die Mineralstoffe in ihrer Funktion aber nicht isoliert betrachtet werden. Vielmehr besteht sowohl eine Wechselwirkung der einzelnen Elemente untereinander als auch zu den Vitaminen. Darum ist eben das Mengenverhältnis unter den einzelnen Stoffen so bedeutsam. Man kann sagen, dass gerade diese „Kette" nur so stark wie ihr schwächstes Teilstück ist.
Deshalb hat eine Über- oder Unterversorgung mit einem einzelnen Mineralstoff weitreichende Folgen auch für die Verfügbarkeit der anderen Mineralstoffe. Dies wird in der Wissenschaft im „Minimumgesetz" ausgedrückt. Das bedeutet, dass die Verfügbarkeit der gesamten Nährstoffe durch den am wenigsten vorhandenen Nährstoff begrenzt wird. Deutlich wird dieser Umstand am Beispiel des richtigen Verhältnisses von Kalzium zu Phosphor - Ca:P.
Bei einer Futterration von 6kg Hafer und 6kg Heu, der wohl gebräuchlichsten Futterzuteilung in Österreich, liegt hier die Mineralstoffversorgung bei 29g Ca zu 37g P, was einem Verhältnis von 0,8 zu 1 entspricht. Notwendig ist aber ein Verhältnis 2 zu 1. Dieser Phosphorüberschuss bedingt in diesem Fall einen relativen Kalziummangel, der im Körper ausgeglichen werden muss. Ein falsches Ca:P Verhältnis bewirkt genau wie der absolute Kalziummangel Knochenschäden und etwa 40% aller Stellungsfehler. Gerade weil aber dieser Phosphorüberschuss schon in den Grundrationen zu beobachten ist, warnt Dr. KREBS so eindringlich vor einer hohen Kleiefütterung. Neben den Vorteilen der Kleie hat dieses Futtermittel einen extremen Phosphoranteil (10-14g pro Kilo Trockensubstanz), der erst recht die Ausschwemmung des Kalziums beschleunigt.
In den meisten Fällen reicht die Mineralstoffversorgung bei Pferden über die gebräuchlichen Futtermittel alleine nicht annähernd aus. Besonders bei höheren Leistungen nimmt der Bedarf stark zu. In der Praxis tritt als häufigster Fehler die Verwendung von Alleinfutter als Zusatzfutter auf oder auch die Verwendung von Ergänzungsfutter in zu geringen Mengen, wodurch natürlich jede Berechnung über den Haufen geworfen wird. Vielleicht stimmt dann zwar die absolute Menge der Stoffe, jedoch sicher nicht mehr die Verhältniszahlen. Wenn dann wiederum Mängel auftreten oder nicht die wünschenswerte Verbesserung im Befinden des Pferdes eintritt, kann nicht der Hersteller beschuldigt werden. Sollten es Kostengründe sein, die den ausreichenden Einsatz der Mischfutter verhindern, so sollte doch auf jeden Fall auf ein Mineralfutter zur Ergänzung zurückgegriffen werden.
Diese Mineralfutter werden, den unterschiedlichen Verhältnissen in der Futtermittelproduktion entsprechend - was bei ihrem Trainer in Oberösterreich absolut richtig sein kann, stimmt vielleicht in ihrem steirischen Heimatstall in keinem Bereich -, in verschiedenen Zusammensetzungen angeboten, vor allem auch mit unterschiedlichen Kalzium zu Phosphor-Verhältnissen. Daher sollte vor dem Einkauf die Ration mit genau den ihnen zur Verfügung stehenden Futtermitteln durchgerechnet werden, damit zur Ergänzung das wirklich passende Mineralfutter ausgesucht werden kann.
Der langen Rede kurzer Sinn
Zusammenfassend muss natürlich gesagt werden, dass niemand eine vollwertige Ration für Pferde alleine zusammenstellen kann. Zu diesem Zweck gibt es Mischfutterproduzenten, deren Produkte sich durch die sinnvolle Ernährung in nahezu allen Bereichen moderner Tierhaltung durchgesetzt haben - nur der Pferdesport hält sich an eine oft mittelalterlich wirkende Art des Umganges mit Tieren.
Um zu ermöglichen, dass der Reiter selbst die Qualität und die Möglichkeiten aus dem Einsatz eines Pferdefutters zu beurteilen in der Lage ist, haben wir in dieser Breite die einzelnen Bestandteile des Futters besprochen. Grundsätzlich geht es aber darum, dass wir Sportreiter eher bereit sein sollten, bei der Fütterung umzudenken.
Sicherlich würden sie doch auch ihr Auto nicht nur mit der Leistung von zwei oder drei Zylindern weiterfahren. Genauso schnell sollten wir daher auch unseren Sportpferden die Chance geben, mit der vollen Leistung aller „Zylinder" zu arbeiten.
Bücher zum Thema Ernährung:
DLG Futterwert-Tabelle für Pferde
Verlag: DLG
Ernährung und Haltung
Unterlagensammlung Pferdehaltung Bd. 1
Pferdefütterung
Hrg. Meyer
Verlag: Parey
Richtige Fütterung von Zucht- und Sportpferden
Hrg. Drepper
Verlg: Ahnert
Pferdehaltung in Gestüten und Reitställen
Weidebetrieb-Fütterung-Gesundheitspflege
Verlag: Giradet
Martin Walter