Mit anderen Augen gesehen!

Pferdebesitz nur nach Prüfung und Charakter-Check!

Eine der Wurzeln, warum es rund zwei Drittel aller Pferde in Österreich nach Artgerechtigkeit und Alltagsbedingungen schlecht geht, ist die Unkenntnis der Besitzer. Selbst nach Jahren fehlt es den Verantwortlichen für die Pferde – und das ist nicht auf Pferde beschränkt, sondern gilt besonders auch für Hunde, Katzen, Kaninchen und die ganz kleinen – geradezu an Basiswissen. Wie viel Wasser, welche Wasserqualität braucht das Tier, was ist wirklich das Minimum an Futter und Auslauf. Mit welchen Kosten ist grundsätzlich zu rechnen, mit welchen Kosten aber im Fall von Erkrankung oder Unfall. Wie transportiert man.

Dass auch das Risiko für die Reiter immer öfter ganz falsch eingeschätzt wird, ist eine Katastrophe, aber kein Thema für den engagierten Tierschutz; vielmehr sieht man eher mit sehr viel Genugtuung auf Turnieren oder auch im Stall manchen Scheißkerl auf die Fresse gehen, oft ists erfreulich, die Rettung zu rufen. Dennoch ist die Unkenntnis eben alles in allem erschreckend.
Natürlich müsste hier in erster Linie die Grundausbildung ansetzen. Meist sind aber diese Übungsleiter und charakterlichen Hilfsschüler mit Basislizenzen selbst kaum besser. Viel zu oft sind die Boxenanbieter auch gleich die Reitlehrer. Wer wird sich einen kompetent kritischen Einsteller großziehen? Und kann man denn dem noch das lahme oder kranke Pferd „auflegen“?
Der Reiterpass ist an sich schon eine sehr gute Idee gewesen, ein Schritt in die richtige Richtung. Viel zu wenige machen ihn. Wie im Westernbereich damit umgegangen wird, ist noch nicht mal geregelt. Und außerdem sind die vermittelten Kenntnisse viel zu rudimentär. Denn der Reiterpass ist eben das, was er heißt: Ein Pass für die Reitberechtigung, nicht ein Diplom für Pferdehaltung.

Und dazu tritt noch eins: Pferdehalter ist ja in der Vielzahl der Fälle, möglicherweise in der Mehrzahl der Fälle gar nicht der Reiter; sehr oft ein Jugendlicher. Sondern die Verantwortung mit der Pferdeanschaffung übernehmen Eltern, mündige wie strafmündige Erwachsene. Die häufig selbst gar keine Pferdekenntnisse haben, sondern nur einen wenig überlegten oder wenig vorbereiteten Wunsch erfüllen.

Hier Abhilfe schaffen zu wollen, erscheint eigentlich unbewältigbar. Womit wir wieder beim Verbieten des Reitens wären. Will man aber nicht kapitulieren, dann ist zu sagen, dass der idealistische Ansatz – über eine verbesserte Trainerausbildung eine gute und kompetente Grundausbildung und damit seriöse Pferdehaltung auf freiwilligem Weg aufbauen zu wollen -, als gescheitert zu betrachten ist. Seit den achtziger Jahren war Zeit, hier Ziele zu erreichen. Tatsache ist, dass die Lage schlechter ist denn je.
Zu fordern ist daher, dass eine im Bundestierschutzgesetz verankerte Eignungsprüfung für angehende Pferdehalter ins Leben gerufen wird, die die wirklichen Tierverantwortlichen ablegen. Also der, der den künftigen Kaufvertrag unterzeichnet. Natürlich fällt es schwer, nach dem Staat zu rufen. Aber der Weg der Freiwilligkeit hat eben nicht geklappt. Es sollte sich also um eine an den Bezirkshauptmannschaften angesiedelte Prüfung handeln. Kommissionell aus einem Tierschutzbeamten oder Amtstierarzt als Leiter, einem Besitzer aus dem engagierten Tierschutz und einem Beisitzer aus dem Reiterverband, die nach einem ein- bis zweitägigen Grundkurs eine schriftliche Wissensprüfung und dann ein Fachgespräch zum Kennenlernen – ganz unverblümt des Charakters – abnehmen, nur gemeinsam bewerten, also einstimmig die Pferdehaltung zulassen oder ablehnen. Eine Prüfung – man kann in Menschen nicht wirklich reinschauen – die auch von solchen Kommissionen wieder aberkannt werden kann.
Einzuführen ist das Ganze mit rückwirkender Wirkung, also für alle neuen Pferdekäufe, auch für Leute, die schon ein Pferd haben oder mal hatten.

Übrigens ist hier jetzt der engagierten Tierschutz den Reitern dankbar: Grundsätzlich sollte man ohne eine solche Prüfung auch Hund oder Katze und alle anderen nicht halten dürfen. Das ist aber noch nie so durchdacht, so durchdiskutiert und ausformuliert worden. Hier das darstellen zu müssen, war ein großer Schritt vorwärts.


alf

Veröffentlicht Montag, 2. Mai 2011 12:54 von IHEP-Redaktion

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