Gastkommentar radikaler Tierschützer
Schön, namhafte Reiter, gar ein Pferdesportmagazin wollen also mit dem engagierten, wie manche sagen: dem radikalen Tierschutz ins Gespräch kommen. Das ist an sich ein interessanter, begrüßenswerter, womöglich geradezu einzigartiger Ansatz. Ins Gespräch kommen ist gut, hat was Positives. Vielleicht kann man wirklich was erreichen auf diesem Weg, wenn auch schon viel zu lang geredet und viel zu wenig gehandelt wird im Sinn der Wehrlosen!
Zu solchen Bildern darf es nicht mehr kommen, die Reiterinnen österreichweit müssen selbst ein Netzwerk an Zivilcourage gegen erbarmungslose Habgier und Unfähigkeit in der Tierhaltung sein. Foto: Handycam / Animal Spirit
Am Grundsätzlichen ändert das nichts: Reiten ist überflüssig und gehört verboten! Alle die vielen angeblich so wertvollen Seiten am Reiten, die sportliche Betätigung, die Bewegung in der Natur, die Nähe zu Tieren lassen sich auch sehr gut auf anderen Wegen erreichen, ohne jemanden zu Arbeit zu versklaven unter Lebensbedingungen, für die er nicht geschaffen ist. Geht Laufen in den Wald und entlang dem Fluss, stellt den Alkohol ein, betreut einen Tag die Arbeit am Gnadenhof.
Natürlich ist das ein radikaler Gedanke, unter Leuten, die noch nicht viele Gedanken daran verschwendet haben, wie es dem Partner unter dem Sattel wirklich geht. Wäre man schon sehr zynisch, dann könnte man angesichts der plötzlichen „Gesprächsbereitschaft“ auch denken, Leute hätten Angst, dass mal bei Nacht ihr neuer Mercedes brennt, weil sie ihren Schul-, Miet- und Einstellpferden schon wieder das Heu auf eine kolikgefährliche einzelne „Schnitte“ gekürzt haben, oder sie ein Schulpferd durch die Manege prügeln lassen, das vor Hufrehe nicht mehr weiter kann – da geht es „ja eh nur im weichen Hallenboden“ -, damit die ohnehin schon verspätete Leasingrate noch herausgepresst werden kann aus dem Monatsumsatz.
Aber nehmen wir mal nicht das Schlechteste an, nehmen wir Gesprächs- und Diskussionsbereitschaft positiv auf. Radikale Verbote, so berechtigt sie auch sein mögen, sind nicht leicht durchzusetzen in dieser auf Geld und hemmungslose Vergnügen fixierten Gesellschaft. Die Abschaffung der Sklaverei beim Menschen war so etwas, die Demokratisierung, die wenigstens politische Gleichberechtigung der Frauen. Richtig ist, dass sich mit Argumenten und Schritt für Schritt manchmal einiges erreichen lässt, wenn die Gesellschaft für wirkliche Lösungen noch nicht reif ist. Es tut nur so weh, am Weg zu sehen, wie viel Qual geschehen und ungesühnt bleiben muss, nur weil kaum etwas vorangeht, sich so viele mit der Politik der kleinen Schritte zufrieden geben.
Der Vorschlag für diesmal konkret: Sehr viel Unglück passiert vielen Pferden in ganz Österreich, weil sich die angehenden Besitzerinnen – durchaus voll Idealismus am Anfang, voller Ideale wie gut sie es nicht machen werden – finanziell übernehmen. Auch viel zu wenig vorinformieren. Dann beginnt die Krise, der finanzielle Druck wird schnell größer, kaum ist neben Schule und Ausbildung auch nur der Monatsbetrag im Billigstall zu schaffen. Geschweige denn ein gut geführter Stall, passende Ausrüstung, regelmäßig fachlich gekonnte Hufpflege, mancher Tierarzteinsatz. So beginnt sich die Spirale immer schneller zu drehen, unfähige Mitreiter sollen einspringen – haben für das Pferd, das ihnen nicht gehört, oft noch weniger Verständnis. Das Pferd muss verkauft werden und verkauft werden, wird selbst ratlos, ohne Bindungsmöglichkeit, wird ganz zu recht widersetzlich – gilt als schwierig, dann als gefährlich. Prügelbereiter, Schulbetrieb, Hunger, der Blick erlischt, endlose Mattigkeit bis zur Nadel oder gar dem Bolzen, denn dann gibt’s „wenigstens noch Fleischpreis“.
Wer sieht, wie sich so was abzeichnet, sollte einschreiten, raten, auch auf die Gefahr hin, angefeindet und vom Dorfmatador angepöbelt zu werden. Alle im Stall haben da Verantwortung – denn der Pferdehändler wird erbarmungslos gegenüber allen in der Sache das schnelle Geschäft suchen, nicht seriöse Beratung der angehenden Besitzer.
alf