Mit anderen Augen gesehen!

Sklavenleben

Ein Buchtipp – und Fragen an das Leben mit den Pferden

Natürlich kann oder muss man die Lebenssituation der meisten österreichschen Reitpferde nicht annähernd mit dem Grauen der Massentierhaltung, der Schlachthöfe oder der Versuchstiere vergleichen. Dennoch erscheint es angebracht, oder kann von Außenstehenden sogar erwartet und erhofft werden, dass diejenigen, die praktisch als einzige im modernen Leben außerhalb der Bauernschaft täglich mit Großtieren zu tun haben und sie wirklich kennen, sich doch auch den Kopf zerbrechen über unser Verhältnis zu den Tieren, zum Stellenwert der Tiere in unserer Gesellschaft. Genau genommen und ehrlich gesagt, gilt den engsten Kennern der in Symbiose mit den Menschen lebenden Tieren sogar die Hoffnung, etwas zur Erforschung – beispielsweise über Möglichkeiten und Ergebnisse der Kommunikation? – dieser unter uns lebenden „Aliens“ beizutragen.


Nur selten erleiden Reitpferde Folter und Totschlag, doch was wir von ihnen verlangen und auch kompromiss- wie rücksichtslos durchsetzen, entspricht der Sklaverei.

Doch ein erster Schritt wäre es, sich einfach mal auch die Argumente der anderen, des Tierschutzes oder der über die Tiere nachdenkenden und Forschenden anzuhören, daraus eine vertiefte eigene Meinung zu entwickeln.

Das Buch, das die moderne Tierrechtsbewegung begründet hat, Peter Singers „Animal Liberation“. Und etwa zur gleichen Zeit erschienen ist vom Enzyklopädie-Verleger Wilhelm Brockhaus "Das Recht der Tiere in der Zivilisation", das ganz ähnliche Themen und Fragen behandelt - sogar fundierter, sagen einige Leserinnen - aber nicht annähernd so berühmt wurde.
Peter Singer, ein Professor für Philosophie und Ethik, analysierte ursprünglich die Entwicklung der zwischenmenschlichen Ethik und der Menschenrechte, als er die Paradoxa der westlichen Moralideologie wiederentdeckte. Davon ausgehend entwickelte er eine wissenschaftlich-philosophische Argumentation, die als Konsequenz den Speziesismus kritisiert. Das Buch besteht zu großen Teilen aus Zitaten von den Tierschädigern selbst – zum Beispiel über Tierversuche, Schlachtungen -, behandelt aber natürlich auch Philosophie und praktische Ethik, und erklärt die Geschichte des Speziesismus und kulturelle Barrieren für die Befreiung der Tiere.
Inhaltlich wird knapp zusammengefasst, vertreten:
1. Alle Tiere sind gleich - oder warum das ethische Prinzip, auf dem die Gleichheit der Menschen beruht, von uns fordert, die gleiche Berücksichtigung auch auf Tiere auszudehnen.
2. Werkzeuge für die Forschung - Wozu unsere Steuergelder auch verwendet werden.
3. In der Tierfabrik - oder wie es unserem Abendessen erging, als es noch ein Tier war.
4. Die Entscheidung für eine vegetarische Lebensweise - oder wie wir weniger Leid und mehr Nahrung erzeugen und zugleich den Schaden für die Umwelt verringern können.
5. Die Herrschaft des Menschen - Eine kurze Geschichte des Speziesismus.

Im Detail betrachtet befasst sich der australische Philosoph und Ethiker Peter Singer in seinem Buch „Animal Liberation. Die Befreiung der Tiere" aus theoretischer und praktischer Sicht mit der umfangreichen Thematik Speziesismus: die Ungleichbehandlung von Lebewesen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Spezies. Dabei betrachtet er diese Ungleichbehandlung zuerst von einem theoretischen und ethischen Blickwinkel - er stellt sie beispielsweise auf eine Ebene mit Rassismus und Sexismus - bevor er sich der praktischen Auslebung des heutigen Speziesismus widmet: der allgegenwärtigen Ausbeutung von Tieren zu Forschungs- und Ernährungszwecken.

Anschließend stellt er die vegane/vegetarische Lebensweise als einzige konsequente Möglichkeit vor, um dem Speziesismus im Alltag Widerstand zu leisten. Am Ende seines Werkes bietet Singer dem Leser einen ausführlichen Überblick über die Geschichte des Speziesismus und die Vorherrschaft der Menschen über andere Lebewesen: angefangen vom vorchristlichen Denken aus dem Alten Testament, über die menschen- & tierverachtende Vergnügungspraxis im römischen Reich, bis hin zu bekannten Philosophen der Aufklärung sowie dem „modernen" Speziesismus der heutigen Zeit.

Aus der Sicht von Kritikern Singers bietet seine Arbeit - die oft als „Bibel" der Tierbefreiungsbewegung bezeichnet wird - einen umfassenden Einblick in die Geschichte und Gegenwart des weit verbreiteten Speziesismus. Obwohl das Buch schon vor einigen Jahrzehnten geschrieben wurde, hat es noch immer nicht an Aktualität verloren, da die in ihm beschriebene Praxis der Tierausbeutung leider noch immer zur Anwendung kommt.

„Doch obwohl Singer das Leiden der Tiere in Versuchslaboren und der „modernen" Massentierhaltungsindustrie detailliert und eindringlich schildert, beweist er doch völlige Inkonsequenz, wenn er in seinem Buch zum Vegetarismus - anstatt zum Veganismus - aufruft, und dabei übersieht, dass eine vegetarische Lebensweise ebenfalls zum millionenfachen Leiden und der Ermordung von sogenannten „Nutztieren" beiträgt“, vertreten radikale Tierschützer gegenüber dem durchaus verbindlichen Standpunkt Singers: „Obwohl eine vegane Lebensweise überaus gesund, umweltbewusst und in der heutigen Zeit einfach umsetzbar ist, wird Veganismus von Singer als zu umständlich und schwierig beschrieben. Jedoch verliert ein Tierrechtler jede Glaubwürdigkeit, wenn er postuliert, dass es „alles in allem keine Einwände gegen die Freilandhaltung von Hühnern zur Eierproduktion gibt" und eine Person sich nicht "verpflichtet fühlen muss, alle Lebensmittel, die Milcherzeugnisse enthalten, um jeden Preis zu vermeiden". Aus diesem Grund kann ich "Animal Liberation" nur äußerst bedingt weiterempfehlen. Wer einen ebenso informativen und sogar aktuelleren Einblick in menschenverursachtes Tierleid und Alternativen dagegen erhalten will, sollte sich lieber Kath Clements gut recherchiertes Buch „Vegan“ - Über Ethik in der Ernährung & die Notwendigkeit eines Wandels" zur Hand nehmen.“

Die Frage ist also, wie weit nach dem erfreulichen Ende der Rolle der Pferde in Krieg, Landwirtschaft und Transportwesen die moderne, auf den Sport reduzierte Pferdehaltung
Nicht dennoch als Sklaverei anzusehen ist, beziehungsweise, ob diese Sklaverei nicht in eine akzeptablere Form des Miteinanders weiterentwickelt werden kann. Eine Frage, die am sinnvollsten wohl erfahrene Reiterinnen beantworten könnten – bevor Antworten von Außen, etwa per Gesetz, erzwungen werden.

Das Buch kann in verschiedenen Ausgaben im normalen Buchhandel bezogen werden, liegt auch als Taschenbuch vor und ist daher nicht teuer.
Veröffentlicht Dienstag, 15. November 2011 17:02 von IHEP-Redaktion

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