Gesundheit

SETI - Das Kolik-Forschungsprojekt

Tiermedizin ist keine leichte Aufgabe - der Patient kann nicht reden, der Patientenbesitzer quasselt dafür oft umso mehr (drein). Dennoch ist es nicht erfreulich und eigentlich nicht länger akzeptabel, dass man auf die Frage nach Ursachen sozusagen von drei Tierärzten vier Meinungen zur Antwort bekommt. Oder noch häufiger: Gar keine! Denn sich festzulegen ist wirklich schwer, und befürchtet wird vor allem dann ein Streit im Stall, wer nun die Verantwortung für einen Tierarzteinsatz hat und womöglich dafür haften und aufkommen soll; bis zur Aussage vor Gericht womöglich.

 Andererseits wollen wir´s ja vor allem gar nicht so weit kommen lassen, Vorbeugung, Prävention wäre die allerbeste „Behandlung". Gerade in der Kolik-Frage gilt das. Aber was für Geschichten bekommt man über die gefürchteten Koliken zu hören: Kreislaufkolik, Verstopfungen in Schlund oder Darm und Verschlingungen, oder die Diagnose Kolik, aber gar keine Beeinträchtigung der Darmtätigkeit, Wetter-, Wasser-, Erd-, Sand- oder Windkoliken werden genannt und in Lehrbüchern noch immer nacherzählt.

Da wären wir gern SETIs: Vielleicht habt Ihr schon mal vom Projekt SETI* gehört. Es handelt sich dabei um ein internationales Forschungsprojekt auf freiwilliger Basis. Tausende PC-Besitzer auf der ganzen Welt stellen ihre Leerlaufzeit zur Verfügung, durch Benutzung eines Bildschirmschoner-Programms, um große Datenmengen aus astronomischen Messungen auszuwerten. Der Grund ist die Suche nach außerirdischem Leben, nach „Aliens". Aber das wollen wir jetzt nicht weiterverfolgen. Uns geht's um die grundsätzliche Idee: Wenn zu wenig Forschungsmittel für eine Untersuchung zur Verfügung stehen, sich die öffentliche Forschung und die Forschung der Firmen um ein Thema drücken, dann können viele Leute gemeinsam oft dennoch was bewirken - das ist die Botschaft des an sich lustigen, aber auch nachdenklich machenden Projektes.

Zwar hat man vor allem in Fragen der Verhaltensforschung - zum Beispiel nach dem Liegeverhalten der Pferde in Box und Offenstall - oft wirklich den Eindruck, als würde man sich mit Aliens beschäftigen, so wenig ist über die freundlichen Huftiere überzeugend abgesichert bekannt. Aber was wir im neuen Magazin erreichen wollen, ist Schritt für Schritt eine Klärung, was nun wirklich, modern untersucht in diesem 21. Jahrhundert, die Ursachen von Kolik sind, und was man vor allem vorbeugend im Stall tun kann. Denn die Behandlungserfolge sind ja inzwischen wirklich sehr gut, wenn der Tierarzt zügig eine Chance bekommt, seine Arbeit zu machen - nicht ein entsetzlicher Mietstallbetreiber ein altes Schulpferd eher verrecken lässt, als einige Euro dem Veterinär zu bezahlen.

Wir bringen dazu in der ersten Ausgabe eine große Zusammenfassung über den Stand der Dinge - nicht die einfachen Vorstellungen aus vergangener Zeit, sondern aktuell. Dann fragen wir bei der Veterinärmedizin nach.

Aber vor allem bitten wir alle Leserinnen darum, aus dem persönlichen Umfeld viele fehlende Informationen zusammenzutragen. Dazu wird die erste Ausgabe Ende März oder Anfang April auch einen Fragebogen bringen: Zum Beispiel an welchen Tagen in den letzten Monaten oder auch in den kommenden Monaten Koliken gehäuft auftreten? Was sagen Eure Tierärzte, nehmen sie sich ein paar Minuten, um Unterlagen nachzusehen? Welches Wetter hat an diesen Tagen geherrscht? Ist ein Unterschied zwischen Stuten und Wallachen zu beobachten? War eine Futterumstellung im Spiel? Welches Futter wurde am Tag der Kolik verabreicht? Spielen Pellets eine Rolle, der Übergang zur Weidesaison oder dann der Übergang in den Boxenwinter?

Im Lauf des Jahres tragen wir all das zusammen und werten es aus.

Natürlich hör ich jetzt schon im Hintergrund, dass das keine wirklich wissenschaftliche Vorgangsweise mit Statistik und Mathematik und Doktortiteln und allem Drumm und Drann ist. Geben wir ja zu. Aber auf die Wissenschaft haben wir jetzt lang genug gewartet. Daher die Bitte, in Forum und Leserzuschriften hier mitzumachen, zu helfen, dass eine möglichst breite Datenbasis und Erfahrungswerte zusammenkommen, eben ein SETI-Netzwerk an Informationen und Erfahrungen. Auch wenn sie punktuell sein werden und subjektiv.

 Aber es werden endlich Werte sein, und es wird daraus Tipps zur Vorbeugung gegen Kolik geben!

 *
http://www.setiaustria.at/

http://de.wikipedia.org/wiki/SETI@home

http://www.astronomie.de/bibliothek/initiativen/seti/seti.htm

Veröffentlicht Dienstag, 5. Juli 2011 16:13 von IHEP-Redaktion
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