„Klassische Ziele“ haben auch fürs Springpferd viel Bedeutung
Schon vor einigen Jahren hat sich aus Deutschland und der Schweiz stammend, mit prominentesten Gründern und Mitgliedern eine Art Reformbewegung des Dressurreitens, ein Rückbesinnen auf klassische Reitweise entwickelt. Persönlichkeiten wie Klaus Balkenhol und Christine Stückelberger standen an der Wiege der Idee, prominente deutsche Pferdefachjournalisten und auch Richter. In Österreich gilt Oberbereiter Johann Riegler als Sprecher, einige – wenige – weitere prominente Richterinnen und Reiter gehören mehr oder weniger passiv auch dazu. Plan war es auch, und ist in Deutschland auch umgesetzt worden, eigene Trainerinnen zu prüfen und zu zertifizieren. Eine kurze Liste ist auch entstanden, für Österreich selbst gibt es aktuell dazu aber keine Angaben (http://www.xenophon-klassisch.org/de/index). Wenn sich auch im Forum gezeigt hat, dass zumindest einzelne Trainerinnen sich darauf berufen – allerdings lassen ihre Vorgangsweisen mit den anvertrauten Pferden dann Fragen aufkommen.
Oberbereiter Johann Riegler über die Bedeutung, die der Reformgesellschaft Xenophon in Österreich zukommen kann. Trainer als den Grundsätzen der Gesellschaft "nahestehend" zu zertifizieren und damit eine Leitlinie hin zu Trainern mit verdientem "Vertrauensvorschuss" zu geben, lehnt er leider ab.

Bewusst hat sich jedenfalls der Verein unter den Namen Xenophons gestellt, einem Reiteroffizier würden wir heute sagen, der um 365 v. Chr. für seine Vaterstadt Athen all sein Wissen, sein Können und seine lebenslange Erfahrung im Umgang mit Reitpferden niedergeschrieben hat. Sein Buch Über die Reitkunst hat sich auf Grund seiner Qualität über die fast zweiundeinhalb tausend Jahre der Überlieferung erhalten und gilt zu Recht als wichtigste Quelle des „abendländischen“ Reitens. In ihm setzt er sich nachdrücklich und oft ganz modern anmutend für einen pferdefreundlichen, verständnisvollen und schonenden Umgang mit dem Pferd ein und wendet sich deutlich gegen - schon damals - verbreitete Irrwege der Ausbildung. Xenophons Prinzipien haben noch heute Gültigkeit und bilden die Grundlage der Philosophie des staatenübergreifenden Vereins.
„Klassische Reitkultur“ ist den Sprechern der Reformbewegung – die vor allem das Dressureiten im Visier haben; deren Grundsätze aber für alle Reitweisen bis hin zum Freizeitpferd und gar dem Westernpferd Gültigkeit haben, mit vielem an den Reformideen des „Natural Horsemanship“ sogar eng verwandt sind! - der Begriff für die Ausübung des Reitsports im Sinne der Klassischen Lehre nach den bewährten Grundsätzen der Alten Meister. Diese stellt bei allen Anforderungen die Gesundheit und das Wohlbefinden des Pferdes in den Vordergrund. Die Ausbildung nimmt daher Rücksicht auf die sich durchaus unterschiedlich entwickelnde psychische und physische Bereitschaft des Pferdes zu williger Mitarbeit und auf die damit erstrebte „Harmonie zwischen Reiter und Pferd“ - der Devise für Klassisches Reiten. Der hohe reiterliche und ethische Anspruch an den Ausbilder als auch Fairness und Respekt vor der Persönlichkeit des Pferdes verbieten hierbei jede Zwangsmaßnahme sowie auch jede der Natur des Pferdes widersprechende Manipulation.
Ziel der Ausbildung ist es, das Pferd durch systematisch aufbauende, gymnastizierende Arbeit dazu zu befähigen, das Gewicht des Reiters in allen Gangarten mühelos zu tragen und sich dabei in kontrollierter Losgelassenheit mit natürlichem Charme zu bewegen. Mit erhöhter Versammlung verfeinert sich die Balance, das Pferd wird leichter in der Vorhand, „trägt sich selbst“ und gewinnt „die Ausstrahlung einer imponierenden Persönlichkeit“ (Xenophon), schreibt man sich auf die Fahnen.
Bei allem Bestreben, das Pferd an die in der Dressur vorgesehenen Lektionen heranzuführen, dürfen die Grundelemente der Ausbildung wie Takt, Losgelassenheit, Anlehnung und Schwung, wie auch Geraderichtung und Versammlung niemals beeinträchtigt werden. „In ihrer Bedeutung und Wertigkeit stehen sie doch hoch über jeder mechanischen Perfektion“, vertreten die Leitlinien.
Harmonische Übergänge von höchster Konzentration zu völliger Entspannung
- und umgekehrt – sind Beweise für Hingabe und Vertrauen des Pferdes in das reiterliche Können. Wenn einmal das „Können“ im Sinne der Klassischen Lehre voll gefestigt ist, kann kultiviertes Reiten sich zur „Kunst“ entwickeln.
„Vor einem Menschenalter konnten wir in unserem Lande – wie seit Jahrtausenden – ohne Pferde nicht leben. Heute sind Pferde zur Erhaltung des menschlichen Lebens nicht mehr nötig. Wenn das Zeitalter des Pferdes vorüber ist, das Liebesverhältnis zwischen Mensch und Pferd ist so jung wie vor Zeiten, als die Geschichte begann. Es kann nicht altern. Denn Mensch und Pferd sind füreinander geschaffen. Auch heute noch, da die Pferde nur noch Freizeitpartner sind“, schreiben die Grundsätze und Stauten der Gesellschaft fest. „Pferdeliebe und Passion aber sind aus jener Zeit gewachsen, da Menschen ohne Pferde nicht leben konnten, hinüber in eine Zeit, in der man ein altes, unendlich wertvolles Kulturgut nicht entbehren will. Auch wenn das Wissen, das einst aus dem Zusammenleben und -arbeiten von Mensch und Pferd gewachsen war, mehr und mehr der Vergessenheit anheimfällt. Eine Brücke muss geschlagen werden vom Einst zum Jetzt, da es um Werte geht, für die es keinen Denkmalschutz gibt.“
Und doch ist es so nötig, ethische Grundbegriffe vergangener Zeiten im heutigen Denken und Handeln neu zu verankern. Das einst Selbstverständliche muss heute gezielt gelehrt und gelernt werden:
Eigenschaften und Fähigkeiten, die letztlich für den Umgang mit Menschen genau so notwendig sind wie für den Umgang mit Pferden. Pferde verlangen Distanz, sie haben sich in der Geschichte ihres Dienstes mit dem Menschen nie gemein gemacht. Nur wer Pferde als freie, lebendige Partner und als Geschöpfe Gottes anerkennt, wird den Adel ihres Wesens und schließlich ihre Zuneigung erfahren. Und er wird etwas gewinnen, was über die Fertigkeit im Sattel weit hinausgeht: Einen stolzen Diener – statt einen unterworfenen aufsässigen Knecht. Und nur ihm wird sich offenbaren, was es heißt, Mensch zu sein: teilhaftig der Natur und doch ihr nicht verhaftet, sondern ihr Herr.
Was wird nun praktisch angeboten:
XENOPHON–Referenten vermitteln in Vorträgen, Seminaren, Lehrgängen und Publikationen die Grundgedanken der klassischen Ausbildung, wie sie in den Richtlinien der FN festgehalten sind.
XENOPHON nimmt Stellung zu Fehlentwicklungen im Reitsport, die das Wohlergehen der Pferde beeinträchtigen.
XENOPHON vergibt Sonderehrenpreise an Reiter, die sich um die klassische Ausbildung verdient machen und dadurch mit gutem Beispiel voran gehen.
XENOPHON baut eine Literaturliste auf, die das wertvolle Wissen um die klassische Reitlehre zusammenführt.
XENOPHON ist bestrebt, eine internationale Plattform für den Austausch unter Pferdefreunden, Reitern, Richtern und Trainern aufzubauen.
Und mehr aus dem rechtlichen Blickwinkel betrachtet, vor allem wenn man allenfalls einen Beitritt überlegt:
Klaus Balkenhol, Mitbegründer der Reformbewegung Xenophon, gilt als der derzeit vielleicht größte Meister des klassischen Dressurreitens, hat aus kleinen Anfängen auf seinen Dienstpferden als Polizist heraus sehr viel gewonnen, ist ein Meister der Kür-Choreografie. Selbst wenn man mit Superlativen und Vertrauensvorschuss in noch so bekannte Reiter sehr vorsichtig geworden ist: Klaus Balkenhol ist ein Vorbild!
Der Verein verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne des Abschnitts „Steuerbegünstigte Zwecke“ der Abgabenordnung. Der Satzungszweck wird insbesondere erreicht durch die Förderung von Wissenschaft, Bildung, Erziehung, Kultur, des Sports und der Tierzucht, im Einzelnen
a. den Erhalt und die Förderung der Reitkultur nach traditionellen, klassischen Grundsätzen,
b. Aufklärung über die Gefahren, die dem Reitsport drohen durch Verstöße gegen die Grundsätze der Klassischen Lehre,
c. die Umsetzung der Ethischen Grundsätze des Pferdefreundes in die Reitpraxis nach näherer Maßgabe des § 15 dieser Satzung,
d. das Wecken von Interesse an klassischer Reitkultur,
e. die Förderung der Ausbildung von Reitern und Pferden und
f. die Förderung des Ansehens des Pferdesports in der Öffentlichkeit sowie des Pferdesports im Allgemeinen,
g. die Förderung des Tierschutzes bei der Haltung, im Umgang und beim Training von Pferden,
h. die Förderung von Wissenschaft, Forschung, Literatur und Anwendungen in allen Fachbereichen zum Thema Pferd sowie
die Vertretung der Ziele des Vereins im Rahmen seiner gemeinnützigen Tätigkeit gegenüber den reitsportlichen Organisationen.
Und die „Verpflichtung gegenüber dem Pferd“:
1. Die Mitglieder fühlen sich dem Pferd verpflichtet, im Sinne von a. Tierschutzgesetz b. Ethischen Grundsätzen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung e.V. (FN) c. Verhaltenskodex der Deutschen Reiterlichen Vereinigung e.V. (FN) d. Leitlinien des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) zum Pferd.
2. Verstöße gegen das Wohl des Pferdes können durch Ausschluss aus dem Verein geahndet werden.
Sicher mehr als ehrenwerte und schöne Motive und Erklärungen. Aufgetaucht ist die Frage nach Xenophon im Forum aber vor allem aus Tirol, wo in kleinen Ställen einzelne sehr motivierte, aber vom „System“ der Kurse und Gruppenausbildung weitgehend allein gelassene Reiterinnen Hilfe suchen. Da bestand ein wenig die Hoffnung, dass Xenophon-Trainerinnen mit Engagement und weniger Blick auf den Stundenlohn die Lücke vielleicht füllen könnten. Doch das scheint zumindest im Moment nicht absehbar. „Wir haben eigentlich nicht vor, in Österreich eigene Trainer auszubilden oder zu prüfen, zu ernennen“, bringt es Johann Riegler dazu auf den Punkt.
Es wird daher weiter zu fragen sein, was Xenophon dann wirklich in der Breite für uns in Österreich tun kann.