Die Saison der „Querfeldeinreiter“, der Vielseitigkeit, neigt sich dem Ende und mit der Staatsmeisterschaft im Akademiepark von Wiener Neustadt auf neuer Strecke gleichzeitig dem Höhepunkt zu. Ein Moment, auch schon ein wenig zurückzublicken.
Dabei zeigt sich nicht nur Erfreuliches. Eine geradezu unglaubliche Unsitte feiert durch all die Jahre und eben auch heuer wieder „fröhliche Urständ`“, die keinerlei Anlass zur Fröhlichkeit geben. Von vielen höchstens als Kavaliersdelikt oder gar als ganz schlau angesehen werden.
Die Rede ist davon, dass die Geländestrecken ja einige Zeit vor den Turnierwochenenden, aktuell laut ÖTO 14 Tage vor Wettkampfbeginn, für Training gesperrt werden – sollten. Dennoch aber zeigen Besuche, Beobachtungen und Indizien, zum Beispiel an zwei Turnierorten in Niederösterreich, dass auch in dieser Zeit der Streckensperre intensiv mit Pferden für die Turnierteilnahme über die Strecken geritten wird. Besonders erschreckend: es sind oft junge Reiterinnen, gerade mit Lizenz oder noch nicht mal damit für die lizenzfreien Bewerbe, die bedenkenlos diese Unfairness gegenüber den anderen Teilnehmerinnen am Turnier begehen.
Richtig ist natürlich, dass gerade diese jungen Reiterinnen unter Anleitung von mehr oder weniger qualifizierten Trainerinnen, gar gleichzeitig Turnierleiterinnen reiten. Selbst von Reglement und Fairness wahrscheinlich gar keine Ahnung haben. Doch: Ist das eine Entschuldigung?
Das Problem an sich besteht seit Jahren, gerade in der angesprochen Region Niederösterreichs seit Jahrzehnten. Wie andere Reglementsbrüche wird das nicht einmal angesprochen, und der diesbezügliche Punkt in der ÖTO ist auch schwer zu finden. Wahrscheinlich ist wirklich kaum jemandem bewusst, was er da tut. Die Offiziellen wiederum, auch zum Vielseitigkeitsturnier höchstens am Tag vor Turnierbeginn anreisend, haben eigentlich keine Chance, dagegen einzuschreiten. Selbst wenn nach Regentagen die Trittsiegel vor den A-leicht-Hindernissen geradezu eindeutig frisch sind, ist das nur Indiz, nicht Beweis gegen irgendjemand bestimmten. Und so spart man sich offenbar die Debatte, wendet sich wie so oft als Richter mit Grausen ab – macht sich aber wie eben so oft dadurch mitschuldig.
Ein guter Vorsatz für´s neue Jahr, die neue Saison der „Buschreiter“?
Die Grundsatzdebatte nicht vermeiden, unter Trainern, Richtern und Veranstaltern, besonders aber mit den jungen Leuten führen, etwa im Rahmen von Lizenzprüfungen. Es geht ja nicht darum, einzelne an die Stalltür zu nageln, sondern darum, generell Abhilfe zu schaffen. Die Geländestrecken müssten so rechtzeitig fertig gebaut werden, dass erst gar nicht die Angst vor neuen Hindernissen aufkommt, die grad mal am Freitag vor Veranstaltungsbeginn zusammengeflickt werden und daher auch für Reiterinnen mit Heimvorteil – gegen den nichts zu sagen ist; den es geben soll und der gerade für Anfänger eine wichtige, positive Rolle spielt – nicht im fairen Zeitrahmen der ÖTO zum Üben zur Verfügung stehen. Und die Strecken müssten auch für Reiterinnen von auswärts zur Verfügung stehen, mit dem eigenen Trainer oder Helfer. Und letztlich müssten wir doch auch zumindest mit der einen oder anderen Stichprobe die Einhaltung überprüfen. Wobei natürlich die Frage ist, wie das gehen soll, wenn die Veranstalter selbst mit drinn´ hängen. Doch was ist eine Regelung wert, über die sich, wer will, einfach hinwegsetzt? Gelingt keine Absicherung der Fairness, müsste der Paragraf fallen, damit zumindest jede weiß, woran sie ist.
Aber dieser „worst case“ wird nicht eintreten, kennt man einige der jungen „Busch-Pilotinnen“ persönlich: Wird die Fairness von berufener Stelle offen andiskutiert, hört sich der Reglementbruch auf. Nicht unter den Geschäftemachern, aber unter den jungen Leuten geht es nicht um Persönlichkeiten, die bewusst unfair sein wollen.