Schlapp und müde durch die Sandkiste!
Eigentlich ist es seltsam: Die Verstärkungen, besonders die Trabverstärkungen, zählen nicht gerade zu den als besonders schwierig eingestuften Übungen. Haben zudem enorme Bedeutung für die weitere Entwicklung eines Pferdes – selbst auf höchster Stufe liegt im Spiel zwischen mächtigem Antritt und größtem Verständnis für die Versammlung das Geheimnis schöner Passage – und sollten, so möchte man meinen, im Sinn des Grundsatzes „Gang entwickeln“ geradezu „nebenher“ erreichbar sein.
So weit die graue Theorie.
Die Praxis in ganz Österreich zeigt vor allem in den kleineren Klassen von A bis M, dass es sich aber um eine unmögliche Aufgabenstellung zu handeln scheint. Sofern sich überhaupt etwas bewegt, werden laufende oder im Galopp auseinanderfallende Bewegungsabläufe gezeigt – und die oft erst nach Gerteneinsatz, der beim Antritt gar gleich prophylaktsich angewendet wird. Man fühlt sich als Turniergast oder auch als Richter immer wieder an das böse, weil so zutreffende Zitat des legendären Oberbereiters Lindenbauer erinnert: „Alles bewegt sich …,“ – meinte er angesichts einer solchen Szene mit Blick auf Schenkel, Gerte, Hände und weit nach hinten geneigtem Oberkörper – „ … nur die Beine des Pferdes nicht!“ Und ein anderer, auch schon fast legendärer Erster Oberbreiter, heute namhafter Trainer, wird auf die Frage einer recht trostlosen Schülerin bezüglich starker Trableistung nicht mit einem Genie-Blitz zitiert, sondern mit der lapidaren Einsicht: „Ja, das Problem haben wir alle!“
Und als Richter kleiner Klassen steht man oft vor der Seltsamkeit, dass am Punkt der einsetzenden Trabverstärkung sich …. schlicht gar nichts tut; die klopfende Reiterin aber strahlend zu lächeln beginnt. Man sitzt ratlos da: Aufgabe verfehlt, „verritten“ weil nicht mal ansatzweise erfüllt? Also abzuläuten? Man greift zur geringeren Note als Verlegenheitslösung … und behält ein schlechtes Gewissen.
Muss das alles so sein, so bleiben?
Wir haben einen führenden Experten, Peter Gmoser, um Rat gefragt. Und ganz spontan einen Crash-Kurs einschließlich aller ganz moderner Überlegungen erfahren, der für die geduldige Reiterin die Sache erstens machbar macht, zweitens zu einer spannenden Aufgabe, und drittens in Zukunft fein punkten lässt. Nach kurzer Besprechung am nicht ganz Grünen Tisch dann die Praxis in der Reithalle …
Wobei noch zu sagen ist, dass das ganz unkonditionierte, mangelhaft ernährte Pferd selbst für den aktuellen Kompromiss, das „Tritte verlängern“ anstelle des frühen Mitteltrabs, nicht genug Energie haben wird.